Sebastian Steude
Klettertour: Zwölferturm – Gederer Pfeiler (Sepp-Spöck-Gedächtnisführe) von Sebastian Steude

28.06.2024 · Chiemgauer Alpen

Zwölferturm – Gederer Pfeiler (Sepp-Spöck-Gedächtnisführe)

Schwierigkeit

VI/A3

Ernsthaftigkeit

E4

Länge

165m

Zeit

7-9 Std.

Exposition

Nord

Erstbegeher

S. Eckmann, L. Kronast und Gef., 1963

Markant erhebt sich der Zwölferturm vor dem Massiv der Gedererwand. Es ist wohl der Sockel aus relativ weichem Mergelgestein, der dafür sorgt, dass sich der Turm langsam, aber stetig von der Wand entfernt. Irgendwann wird wohl der gesamte Zwölferturm die Reise gen Erdboden antreten – hoffentlich erst in ferner Zukunft.

Wer auf dem Gedererwandsteig an seinem Wandfuß entlangwandert, dem fällt vermutlich sofort das gewaltige, rund sechs Meter ausladende Dach ins Auge, das von einem dunklen Einriss durchzogen wird. Genau durch diesen Riss führt die Sepp-Spöck-Gedächtnisführe, die 1963 von Lorenz Kronast und Sepp Eckmann erstbegangen und mit VI/A3 bewertet wurde.

Bis heute gehört die Tour zu den berüchtigtsten Technoklassikern der Bayerischen Alpen. Es dauerte bis ins Jahr 2019, ehe ihr die erste freie Begehung abgerungen werden konnte. Wir sind die Route ganz klassisch mit Hakenhilfe und Trittleiter geklettert und können nur unseren Hut ziehen – sowohl vor den Erstbegehern als auch vor den Rotpunktkletterern. Dazu muss allerdings gesagt werden, dass die Route bis heute in sehr alpinem Gewand daherkommt.

An zwei Standplätzen findet sich jeweils ein Bohrhaken, und nach einem Felsausbruch wurde auf der Querung ins Dach ein weiterer Bohrhaken gesetzt. Der Rest der Route ist mit alten Normalhaken abgesichert. Zusätzliche Absicherung mit Keilen und Friends ist zwingend erforderlich, da die früher verwendeten Holzkeile inzwischen nahezu vollständig verfault sind.

Hoffentlich bleibt dieser alpine Charakter noch lange erhalten. Denn nicht nur die große Steilheit und Ausgesetztheit machen die Tour zu etwas Besonderem, sondern vor allem auch ihre Absicherung. Sie erfordert ein deutlich bewussteres Klettern und einen anderen Umgang mit Risiko. Mit einer durchgehenden Bohrhakenabsicherung hätte die Route sicherlich nicht denselben Stellenwert im Tourenbuch all jener, die sich an sie wagen.

Charakter

Sehr imposante Kletterei durch die Nordwand des Zwölferturms. Vor allem das Dach in der vorletzten Seillänge ist außergewöhnlich exponiert.

Absicherung

Mit zahlreichen Normalhaken abgesichert, zusätzliche mobile Absicherung ist jedoch erforderlich. Man benötigt mindestens 24 Expressschlingen. Am Zwölferturm sind auch künftig keine Bohrhaken erwünscht!

Zustieg

Vom Parkplatz Hintergschwendt folgt man der markierten Forststraße in Richtung Maureralm. Kurz bevor man die Alm erreicht, zweigt rechts ein unmarkierter, bei Nässe sehr rutschiger Pfad ab. Diesem folgt man steil durch den Wald bis in das Schuttkar unterhalb des markanten Zwölferturms. Anschließend nach links zum Einstieg der Willi-Hermann-Route queren und über unangenehmes Gelände (gegebenenfalls sichern) nach links in eine Nische absteigen (1 Std.).

Abstieg

Vom Gipfel zweimal 50 Meter zum Wandfuß abseilen. Anschließend wie im Zustieg zurück zum Parkplatz (1 Std.).

Bilder