Wir hatten zwar eine grobe Route geplant, mussten aber gleich am ersten Tag improvisieren und uns in Reykjavík ein Fahrradgeschäft suchen, da während des Fluges eine der Bremsscheiben verbogen worden war. In den folgenden vier Wochen reduzierte sich unser Dasein auf die einfachsten Grundbedürfnisse: essen, trinken, schlafen und dazwischen immer weiter treten. Verlässt man die touristischen Hotspots, hat man die beeindruckende und abwechslungsreiche Landschaft Islands oft für sich allein. By fair means, mit Rad und Zelt, durchquerten wir weite Grasebenen und kahle Wüsten, gespickt mit kohlschwarzen Lavasplittern und bizarren Felsformationen. Wilde Berglandschaften und riesige Tiefebenen, deren schwarzer Sand bis an den Horizont reichte, begleiteten uns. Wir passierten eiskalte Gletscherseen, auf denen blau schimmernde Eisberge trieben, tranken glasklares Wasser aus zahlreichen Bächen, zelteten mitten in der wilden, ursprünglichen Natur und badeten in heißen Quellen.
Während unserer Reise überholten uns viele Touristen in ihren gemieteten Jeeps. Bei vielen von ihnen beschränkte sich das Island-Erlebnis auf kurze Fotopausen an Parkplätzen. Uns hingegen zeigte sich die raue Insel ungefiltert. Wir kämpften gegen starken Gegenwind, schmeckten den Staub der Wüste, lauschten der Stille der Nacht und spürten die Kälte des hohen Nordens.
Am Ende bleiben die Fragen: Haben wir mehr mitgenommen als ein paar schöne Fotos? Und hat uns die Reise verändert? Vielleicht war es nicht die spektakulärste Reise, aber sie hat uns in vielerlei Hinsicht geprägt. Ein Abenteuer muss nicht lange im Voraus geplant sein. Manchmal reicht eine Portion Spontanität und der Mut, die persönliche Komfortzone zu verlassen. Belohnt wird man mit einzigartigen Erfahrungen und Erlebnissen.