Sebastian Steude
Reisebericht: Transslowenien: Zidani Most - Faaker See

17.05.2016 · Slowenien/Österreich

Transslowenien: Zidani Most - Faaker See

Mit knapp über 20.000 km² Fläche ist Slowenien etwas kleiner als Hessen. Und doch hat das mitteleuropäische Land eine erstaunlich vielfältige Flora und Fauna mit großem Artenreichtum zu bieten. Es ist das einzige Land in Europa, das sich über vier verschiedene landschaftliche Großräume erstreckt: Im Norden liegt das Hochgebirge der Alpen mit dem Triglav, dem höchsten Berg Sloweniens. Im Osten schließen sich die fruchtbaren Ebenen der Pannonischen Tiefebene an, im Süden die karstigen Hochflächen der Dinariden und im Westen die mediterrane Küstenregion mit ihren Buchten und Stränden.

Spontan entscheiden wir uns im Frühjahr für eine Transslowenien-Tour mit dem Mountainbike von Zidani Most bis zum Faaker See in Kärnten, um die faszinierende Natur des kleinen Landes selbst zu erleben. Die ersten anderthalb Tage führen durch die kleinräumigen Hügellandschaften Mittelsloweniens. Wälder wechseln sich mit bescheidenen Ackerflächen und Weiden ab, immer wieder passieren wir winzige Bauerndörfer. Hinter der Autobahn A2 wird die Landschaft rasch wilder: Die Abstände zwischen den Dörfern werden größer, die Wälder dichter, und das gesamte Gebiet ist stark vom Karst geprägt. Bäche und Seen sind selten, stattdessen liegen helle Kalksteine wie überdimensionale Murmeln in der Landschaft. Im Tal der Krka machen wir einen Abstecher nach Žužemberk, einer kleinen, schmucken Stadt direkt am Fluss, überragt von einer mittelalterlichen Burg.

Hinter Žužemberk dringen wir in die wilden Wälder der Suha krajina und der Mala gora ein. Hier beginnt das Kerngebiet der slowenisch-kroatischen Braunbärpopulation, und beim Radeln durch die dunklen, unzugänglichen Waldgebiete lässt sich gut nachvollziehen, warum sich die Tiere hier wohlfühlen. Über Videm und Turjak mit seiner gut erhaltenen Burg nähern wir uns langsam Ljubljana. Am Horizont erscheinen erstmals die Gipfel der Steiner Alpen, während gleichzeitig der Verkehr zunimmt und die Orte größer werden. Ljubljana umfahren wir südlich und westlich über hügeliges Vorland, bevor wir in das Polhograjsko hribovje mit dem Landschaftspark Polhograjski Dolomiti eintauchen. Dieses Hügelland dient vielen Einwohnern der Hauptstadt als Naherholungsgebiet.

Hinter dem Tal der Save, dessen türkisfarbenes Wasser uns noch eine Zeit begleitet, wird das Gelände wieder alpiner. Über kleine Straßen und Hügel erreichen wir Brezje, einen bekannten Wallfahrtsort mit der imposanten Basilika Marije Pomagaj, die markant über dem kleinen Dorf steht. Wenige Kilometer westlich liegt Bled am gleichnamigen See – wohl der bekannteste Ort Sloweniens. Der Blick über die Insel mit der Kirche und die Burg von Bled vor der Kulisse der Julischen Alpen ist eindrucksvoll, auch wenn der Ort stark besucht ist. Bald darauf erreichen wir den Triglav-Nationalpark, dessen nordöstlicher Rand bereits eine deutlich ursprünglichere Hochgebirgslandschaft zeigt. Durch das Krma-Tal öffnen sich weite Blicke auf die schroffen Gipfel der Julischen Alpen.

Über den Kosmačev preval verlassen wir erneut das Save-Tal und beginnen den langen Anstieg zum Annahüttensattel. Der Weg schlängelt sich an steilen Hängen entlang, unter uns rauscht der Belca-Fluss durch sein breites Schotterbett, über uns ragt der 2.145 Meter hohe Mittagskogel auf. Ein kräftiger Schauer zwingt uns kurz unter einer Buche Schutz zu suchen, bevor wir die letzten Serpentinen zum Sattel und damit zur slowenisch-österreichischen Grenze bewältigen. Es ist bereits Abend, als wir den Pass erreichen, und wir sind dankbar für die einfache Biwakschachtel wenige Meter oberhalb. Mit Blick zurück auf die wolkenverhangenen Julischen Alpen verabschieden wir uns von Slowenien. Auf der anderen Seite breitet sich Österreich aus, und tief unten liegt der in der Abendsonne rot schimmernde Faaker See, unser Ziel am folgenden Morgen und das Ende unserer Reise durch Slowenien.

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Karte 1 zu Transslowenien: Zidani Most - Faaker See